Interventionen zur Mobilisierung und Förderung von Antirassismus und Gleichberechtigung in einer inklusiven Einwanderungsgesellschaft durch wirkungsvolle Kommunikation (IMAGINE)
Deutschland ist eine vielfältige Einwanderungsgesellschaft – doch gleichzeitig nehmen ausländerfeindliche Haltungen (Decker & Brähler, 2022), politisch motivierte Gewalttaten (Jahresbericht des Bundeskriminalamtes, 2022) und die Zustimmung zu rechtspopulistischen Parteien in der Bevölkerung kontinuierlich zu (Sonntagsfrage Bundestagswahl, 28.09.2023). Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive ergibt sich die Frage, ob Medien dem entgegenwirken und positive Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber migrantischen Personen fördern können. Genau hier setzen wir mit unserem Forschungsprojekt IMAGINE an. Im Rahmen von IMAGINE erforschen wir, inwiefern antirassistische Kommunikation auf Social Media, konkret TikTok, antirassistische Einstellungen und Verhaltensweisen fördern kann.
IMAGINE wird von Prof. Dr. Christine E. Meltzer und Dr. Jule Scheper am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover geleitet und von einem Team an studentischen Hilfskräften unterstützt (siehe Team). Das Projekt wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie der Volkswagen Stiftung gefördert und läuft von Juni 2025 bis Juni 2028 (siehe Meilensteine). Das Projekt findet in Kooperation mit unterschiedlichen antirassistischen Vereinen und Stakeholdern statt (siehe Partner*innen).
Was erforschen wir im Projekt konkret?
Im Rahmen von IMAGINE untersuchen wir, wer auf TikTok antirassistische Inhalte teilt und wie diese Beiträge die Einstellungen und Verhaltensweisen junger Menschen beeinflussen. Dabei konzentrieren wir uns auf Social Media da Plattformen wie TikTok, Instagram oder X neue Möglichkeiten bieten, antirassistische Einstellungen und Verhaltensweisen zu fördern. Einzelpersonen, Vereine und Organisationen können hier selbst Inhalte verbreiten und die Sichtbarkeit migrantischer Personen und deren Themen aktiv mitgestalten – ohne auf klassische Medien angewiesen zu sein. Besonders politische Influencer*innen erreichen auf diesen Plattformen ein großes Publikum und können durch ihre Beiträge antirassistische Werte vermitteln. Der Fokus auf TikTok liegt darin begründet, dass diese Plattform vor allem junge Erwachsene erreicht – eine Altersgruppe, die sich noch in ihrer politischen Meinungsbildung befindet und für die Förderung antirassistischer Einstellungen daher besonders relevant ist.
Das Projekt besteht aus zwei Teilstudien: In Teilstudie 1 untersuchen wir den Status Quo der antirassistischen Kommunikation auf TikTok. Konkret untersuchen wie durch automatisierte Verfahren, welche antirassistischen Inhalte durch TikTok-Influencer*innen verbreitet werden und welchen Erfolg und Reichweiten diese unterschiedlichen Inhalte haben (z. B. durch Likes, Shares oder Kommentare). Auf Basis der Erkenntnisse möchten wir identifizieren, welche antirassistische Kommunikation besonders erfolgsversprechend ist – beispielsweise das Teilen eigener Erfahrungen, Wissensvermittlung, humorvolle oder emotionale Inhalte. In Teilstudie 2 werden wir basierenden auf den Erkenntnissen aus Teilstudie 1 besonders vielversprechende antirassistische Botschaften entwickeln und deren Wirkung in einer repräsentativen Befragung junger Erwachsener über einen längeren Zeitraum hinweg testen. So wollen wir untersuchen, inwiefern unterschiedliche Botschaften langfristig einen positiven Einfluss auf antirassistische Einstellungen und Verhaltensweisen haben.
Welche Ziele haben wir?
Mit Hilfe von IMAGINE möchten wir besser verstehen, welche antirassistischen Botschaften besonders gut geeignet sind, um bei jungen Menschen antirassistische Einstellungen und Verhaltensweisen zu fördern. Unsere empirischen Erkenntnisse überführen wir in konkrete Handlungsempfehlungen und Kommunikationsstrategien. So möchten wir ganz unterschiedlichen Zielgruppen – z. B. politischen Akteur*innen, interessierten Bürger*innen, Influencer*innen, Medienschaffenden, Pädagog*innen, Vereinen – zeigen, wie sie mit Hilfe von strategischer Kommunikation antirassistische Einstellungen und Verhaltensweisen fördern können. So möchten wir mit IMAGINE dazu beitragen, Deutschland durch antirassistische Kommunikation als inklusive und vielfältige Einwanderungsgesellschaft zu stärken – eine Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt und respektvoll zusammenleben.
Welche Kooperationen gibt es und wie informieren wir über unsere Ergebnisse?
Damit unsere Erkenntnisse nicht nur in der Wissenschaft bleiben, arbeiten wir eng mit antirassistischen Vereinen und anderen antirassistischen Stakeholder*innen zusammen. Geplant sind Workshops, Open-Access-Publikationen, öffentliche Kommunikation auf dieser Website und eine Abschlussveranstaltung. So stellen wir sicher, dass unterschiedliche Perspektiven einbezogen werden und die Ergebnisse für Wissenschaft, Politik und Gesellschaft nachhaltig zugänglich sind.
Projektmeilensteine (chronologisch):
- Teamzusammenstellung
- Literatur- und Theoriearbeit & Aufarbeitung des Forschungsstands
- Kooperations-Kick-Off: Austausch mit Kooperationspartner*innen und Identifikation weiterer relevanter Stakeholder*innen
- Studie I: Analyse antirassistischer Inhalte auf TikTok
- Studie II: Repräsentative Langzeitstudie zur Wirkung antirassistischer Kommunikation auf antirassistische Einstellungen und Verhaltensweisen (Online-Befragung inklusive experimentellem Design)
- Zusammenfassung der empirischen Erkenntnisse
- Workshops & Austausch: Workshops und Austausch mit Kooperationspartner*innen, Pädagog*innen und Influencer*innen – Präsentation der empirischen Erkenntnisse & (Weiter-)Entwicklung von Handlungsempfehlungen und Kommunikationsstrategien
- Ergebnispräsentation & Transfer: Öffentliche Abschlussveranstaltung zur Präsentation und Diskussion der Forschungsergebnisse, Handlungsempfehlungen und Kommunikationsstrategien
Kontinuierlich während des gesamten Projekts:
- Austausch mit den Kooperationspartner*innen
- Publikation wichtiger Erkenntnisse in wissenschaftlichen Journals (wenn möglich Open-Access)
- Präsentation und Diskussion der Erkenntnisse bei wissenschaftlichen Konferenzen
- Präsentation und Diskussion der Erkenntnisse auf der Projektwebsite und Social Media
- Öffentliches Teilen aller Materialien (z. B. Fragebögen, Daten)

